Wir trauern um unseren Lehrer, Wegbereiter, Kollegen und Freund 

Dr. Rudolf A. Kaufmann

04.10.1932 – 12.02.2020

Wir werden seine Einsichten, seine Interventionen, seine präzise und nie verletzende Scharfzüngigkeit, seine Feinfühligkeit, sein Einfühlvermögen, seinen Erfahrungsreichtum und vor allem seine Inspiration sehr vermissen. 

Rudolf wurde 1932 in Aalen in Baden-Württemberg als Sohn eines Winzers und Weinhändlers geboren.

Er studierte von 1951-1956 Philosophie und katholische Theologie an der Universität in Tübingen. Er war von 1957 bis 1972 als Gemeindepfarrer tätig, davon 1969-1972 zeitgleich als Dekan. Im Jahr 1972 übernahm er die Leitung der Psychologischen Beratungsstelle und katholischen Telefonseelsorge in Stuttgart, die er bis 1976 innehatte.

Im Jahr 1977 machte er ein Psychotherapie-Internship an der Family Study Unit in Palo Alto, CA und war von 1977-1988 in einer Privatpraxis für Familientherapie in Stuttgart und Schönbronn tätig, er war Mitbegründer des IF Weinheim und Lehrtherapeut für Systemische Familientherapie und Supervisor. 

Nach der Umsiedlung nach Australien 1989 war er Leiter der Academy for International Management in Melbourne. Ab 1993 hatte er eine Privatpraxis in Berlin und übersiedelte 1995 nach Virginia, wo er eine Privatpraxis eröffnete und gleichzeitig Lehrtätigkeit für Systemische Familientherapie aufnahm. 

Er unterrichtete auch Emotional Freedom Techniques (EFT) nach Gary Craig, die er als Energiefeldtechnik verstand. In den letzten Jahren arbeitete er gemeinsam mit Joanne Callahan, der Ehefrau des verstorbenen Begründers der Thought Field Therapy – der Ursprungstechnik der Energetischen Psychologie.

Rudolf selbst beschrieb auf der Jahrestagung der Systemischen Gesellschaft 2016 seinen Weg auf seine eigene Weise:

„Wenn ich jetzt großartig mal von mir reden darf… als ich… ich habe ja zwanzig Dienstjahre … war ich mit der Kirche verheiratet – auch noch mit der katholischen  - und habe in diesem Bereich dreizehn Jahre Pfarrarbeit geleistet. Ich war Pfarrer von verschiedenen Gemeinden im Industriebereich, auch auf dem Land und so weiter, war sieben Jahre in der Sonderseelsorge tätig, in der Telefonseelsorge in Stuttgart und war Vorsitzender der deutschen Telefonseelsorgekonferenz. Und dann hat mich die Systemik erreicht – in Form von Virginia Satir, die mir das Gehirn 'rumgedreht hat… nee erweitert hat, … – erweitert hat. Und dann habe ich meinem Amt Ade gesagt und bin nach Amerika und habe dort in einer Fachklinik in Palo Alto mein Internship gemacht und bin da mit allen möglichen Leuten zusammengekommen und dann war ich im Schwarzwald, dann haben wir dieses Institut in Weinheim gegründet und dann war ich lange Zeit im Schwarzwald tätig, und hatte ein Zentrum aufgebaut, von einem großen Bauernhof umgemodelt, wo solche Sachen wie hier auch stattgefunden haben. Und nach zehn Jahren hat meine Frau gesagt: „Weißt Du was? Ich habe genug… gearbeitet, jetzt gehen wir woanders hin.“ Sind nach Australien gegangen… tatsächlich… ist wirklich wahr, richtig eingewandert sogar, mit dem Wirtschaftsministerium und so weiter und da waren wir fünf Jahre. Und dann haben wir dort einen Mann kennengelernt, der eine neue Art von Meditation entwickelt hat – heißt natürlich amerikanisch: High Tech Meditation. Und diese High Tech Meditation habe ich, na ja, wenigstens seit 25 Jahren an mir, das sieht man doch oder nicht: High Tech Meditation, oder nicht? Und das ist ein wunderbaren Medium, das ich auch ab und zu in Therapie einsetze.“

Mit der freundlichen Genehmigung und der kollegialen Unterstützung vom Auditorium Netzwerk (→ www.https://shop.auditorium-netzwerk.de) –für die wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bedanken möchten- ist es möglich, hier Rudolf noch einmal in Ton und Bild zu erleben:

Lieber Rudolf, wir vermissen schon jetzt die Vorfreude auf die kommenden Begegnungen, unseren gelebten Alltag während Deiner Zeit bei uns in Lüneburg und die gemeinsamen  Abende mit inspirierenden Gesprächen vor dem bollernden Ofen – oft bis weit nach Mitternacht -  schmerzlich.

Wir sagen hasta mañana Rudolf!

Für diejenigen, die mehr von Rudolfs Wissen und Erfahrungsschatz erfahren möchten verweisen wir auf seine untenstehenden Veröffentlichungen.

Ruthard Stachowske, Heidrun Girrulat und Thorsten Becker für das Team des ImFT


Veröffentlichungen

Kaufmann, Rudolf A. (1989): Ängste, Phobien und andere unnötige Lasten: Energiefeld-Therapie als Anleitung zur Selbsthilfe.
Kröning: Asanger.

Kaufmann, Rudolf A. (2010): Die Familienrekonstruktion: Erfahrungen, Materialien, Modelle.
Kröning: Asanger.

Becker, Thorsten; Kaufmann, Rudolf A.; Schickedanz, Harald (2018): Psychotherapie und die Unterstützung Geschädigter – Implikationen und Herausforderungen während eines laufenden Ermittlungsverfahrens.
In: Gysi, Jan & Rüegger Peter (Hrsg.): Handbuch sexualisierte Gewalt. Therapie, Prävention und Strafverfolgung
Bern: Hogrefe.

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IMFT

Das Institut wurde 1996 gegründet, um die Bedeutung der Generationen für die Lebensentwicklung – also “das Früher im Heute” wissenschaftlich begründet zu erklären.
Seit 2002 führen wir systemische Aus- und Weiterbildungen nach den Richtlinien unseres Dachverbandes der “Systemischen Gesellschaft” durch.

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